„Transformation der klassischen Gangschule zum offenen Lernhaus“
Ziel des Entwurfs ist es, das Potenzial der gewachsenen Struktur aufzunehmen und durch neue Bauvolumen so zu ergänzen, dass ein ganzheitliches Erscheinungsbild sowie ein deutlicher Mehrwert an räumlicher Qualität entstehen. Der Bestand wird nicht überformt, sondern weitergedacht – in einer selbstbewussten, zeitgemäßen Architektursprache. Die bauliche Erweiterung im Westen ist transparent, offen und bewusst kontrastierend zu den bestehenden Lochfassaden konzipiert. Großzügige Verglasungen schaffen visuelle Beziehungen zwischen Innen- und Außenraum. Eine abgestimmte Farbgebung der geschlossenen Fassadenflächen verbindet Alt und Neu zu einer gestalterischen Einheit und stärkt die Identität der Schule als erlebbares Ganzes. Schulgarten, offene Lernlandschaften und klar strukturierte Klassenbereiche bilden ein aufeinander abgestimmtes Raumgefüge. Die ehemals klar umrissene, eher introvertierte Gangschule wird zu einer offenen, zum Schulgarten und zum Stadtzentrum orientierten Lernlandschaft transformiert. Transparenz, Blickbeziehungen und fließende Übergänge schaffen eine neue räumliche Großzügigkeit. Eine gezielte Tageslichtführung sowie „Frischluft-Oasen“ sorgen für hohe Aufenthaltsqualität und ein gesundes Raumklima und tragen zu einem qualitätsvollen, freudvollen Schulalltag für alle Nutzerinnen und Nutzer bei.
Auszug aus dem Juryprotokoll:
„Das Projekt zeichnet sich durch eine kompakte Baukörperlösung und einen räumlich differenzierten Innenraum aus. Der Vorschlag, die Sporthallen als kompakten, gestapelten Baukörper südöstlich des Bestandsgebäudes zu situieren löst wie selbstverständlich die Herausforderungen der Bauetappen und bietet dadurch große Potentiale im weiteren Projektverlauf. Das entwurfsprägende Element der „gestapelten Aula“ verbindet die über die Geschosse angeordneten Abteilungen über gut dimensionierte Treppen- bzw. Sitzstufenelemente und verspricht so, die Volksschule zu einem lichtdurchfluteten, lebendigen Ort zu machen und die „multifunktionalen Flächen“ zu stärken. Durch maßvolle Eingriffe in die Bestandsstruktur werden die Abteilungen mühelos in das gewünschte zeitgemäße Cluster-Konzept verwandelt.
Das Projekt überzeugt durch eine klare funktionale Organisation und eine zeitgemäße pädagogische Raumstruktur. Die prägnant ausgebildeten Eingänge auf der West- und Ostseite führen in eine großzügige, zentral gelegene Aula, die als identitätsstiftendes Herz der Schule fungiert. Mit integriertem Musikraum und Sitztreppen, die sowohl als Bühne als auch als Aufenthalts- und Verbindungsraum dienen, entsteht ein multifunktionaler Bereich für Versammlungen, Schulveranstaltungen sowie den Ganztagesbetrieb inklusive Verpflegung. Der im Erdgeschoß angeordnete Cluster ermöglicht flexible Nutzungen und kann sowohl für verschränkte Tagesstrukturen als auch als eigenständiger Ganztagesbereich betrieben werden. Besonders hervorzuheben ist die konsequente Abkehr von der klassischen Gangschule. Der Zubau transformiert die bestehende Struktur grundlegend und schafft offene, vernetzte Lernlandschaften, die den Anforderungen moderner Pädagogik entsprechen.
Großzügige Sitzfenster fördern Transparenz, natürliche Belichtung und visuelle Beziehungen zwischen Klassen und Lernbereichen. Die Sitzstufen im Aulabereich fungieren nicht nur als funktionales Element für Veranstaltungen, sondern auch als räumliche Klammer, die die Aula mit den darüber liegenden Lernzonen verbindet und so die vertikale Durchlässigkeit stärkt. Besonders hervorzuheben ist, dass die vertikale Öffnung gleichzeitig eine wirksame akustische Abschirmung gegenüber den Lernclustern gewährleistet. In den Obergeschoßen ermöglichen zentral positionierte Multifunktionsräume eine hohe Flexibilität sowie eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Lernclustern. Die übersichtlich angeordneten Lernlandschaften gewährleisten kurze Wege und eine gleichwertige Anbindung aller Klassen. Die direkt angebundene „Frischluftoase“ erweitert das Raumangebot um qualitätsvolle Freibereiche und unterstützt differenzierte Lernsettings. Auch das Untergeschoß erfährt durch gezielte Öffnungen nach außen eine deutliche Aufwertung. Die verbesserte Belichtung steigert die Aufenthaltsqualität der Turnsäle und Vereinsbereiche und stärkt deren eigenständige Nutzbarkeit. Insgesamt besticht das Projekt durch seine funktionale Klarheit, räumliche Großzügigkeit und die konsequente Umsetzung eines zukunftsorientierten Bildungsbaus.“
Projektteam: Nikolaus Schallert, Bernhard Wüst
Leistungen: Entwurf